Frische Erzeugnisse vom Bauern immer beliebter
Marita Mehlis arbeitet in dem kleinen Hofladen seit der Eröffnung 1998 als Verkäuferin. „Damals hatten wir nur wenige Wurstsorten im Angebot“ erinnert sie sich. In der vergangen Jahre sei die Nachfrage kontinuierlich gewachsen. Ihre Kunden kommen dabei aus der ganzen Lausitz, einige auch regelmäßig aus Berlin.
Tiere aus eigener HaltungDer größte Unterschied zwischen den Landfleischereien und den Angeboten der Supermärkte besteht darin, dass die Tiere der Direktvermarkter aus eigener Haltung stammen. Ob Wellfleisch, Grützwurst oder Leber, in den kleinen Läden werden stets frische Waren angeboten. „Wir kaufen keine Tiere dazu“, sagt Marita Mehlis. „Unsere Kunden können sich über die Herkunft sicher sein.“ Bei dem Familienbetrieb scheint dies besonders glaubwürdig, denn die Ställe sind direkt gegenüber der Verkaufsstelle. „Unsere Schlachterei befindet sich unmittelbar neben dem Bullenstall“, sagt Mehlis. Lediglich die Schweine kommen vom drei Kilometer entfernten Bauernhof. Die Produktionskette ist bei dem Familienunternehmen immer gleich. Montags werden die Bullen, dienstags die Schweine geschlachtet. Am Mittwoch erfolgt die Verarbeitung, donnerstags liegen die Fleisch- und Wurstwaren bereits in der Kühltheke. Wie in Freesdorf fallen bei den meisten Direktvermarktern lange Tiertransporte und Lagerung weg.
Auf dem Gut Ogrosen bei Vetschau wird in der eigenen Hofmolkerei Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch zu Käse verarbeitet. Außerdem gehören neben Fleischprodukten auch Quark, Joghurt, Frischkäse sowie verschiedene Schnittkäsesorten zum Sortiment des kleinen Hofladens. „Viele Menschen legen zunehmend größeren Wert auf regionale Produkte“, hat Mitinhaberin Toni Lütke-Schwienhorst festgestellt.
Kunden aus ganz Deutschland
Steigende Nachfrage an frischen Produkten verzeichnet auch die Landfleischerei in Bronkow bei Calau. Kurz nach der Wende habe alles mit einer kleinen Hausschlachtung angefangen, erinnert sich Mitarbeiter Marco Dürrwald. Mittlerweile würden wöchentlich rund 50 Kühne und Schweine geschlachtet. „Unsere Kunden kommen teilweise aus ganz Deutschland“, erzählt Dürrwald. Gelegentlich kauften sogar Holländer und Belgier im Hofladen der Landboden Bronkow Agrar GmbH ein. Die Preise seien nicht höher als in den Supermärkten.
Aus eigener Produktion stammen auch die Produkte von der Strau-ßenfarm Ostrich in Zauche bei Kasel-Golzig. Straußensteak, Sala-mi, Schinken, Bockwurst, Wiener oder Leberwurst können in dem kleinen Hofladen gekauft werden, der jedoch nur in der Sommer-saison von März bis Oktober geöffnet hat. Weitere Direktvermark-ter gibt es unter anderem in Bischdorf (bei Lübbenau), Missen und Groß Lübbenau.
Nach Schätzungen des Bauernverbandes pro agro bieten in Bran-denburg mehr als 300 Landwirte frische Erzeugnisse aus eigener Herstellung an. Die Landfleischereien, Hofläden und Obstmärkte befinden sich oft in kleinen, unscheinbaren Dörfern. Dennoch nehmen Verbraucher den längeren Anfahrtsweg in Kauf. „Regionale Produkte sind wieder stark im Kommen und werden immer belieb-ter“, sagt Brigitte Hohnstädter von pro agro. „Das Interesse an natürlichen Erzeugnissen vom Bauernhof ist in den vergangenen Jahren stets gewachsen.“ Auch aktuell nehme die Nachfrage weiter zu. Vor allem Fleischprodukte, aber auch Obst und Gemüse werde bei den Direkterzeugern gern gekauft. Als einen wichtigen Grund dafür benennt Brigitte Hohnstädter das größere Vertrauen der Verbraucher in die Produktion. „Die Kunden sehen, wie die Rinder und Schweine auf dem Hof leben. Sie wissen, dass die Fleisch-Zubereitung frisch ist.“ Zudem gebe es keine hoch gezüchteten Tiere und kein Massenanbau. Der Konsum regionaler Produkte stärke außerdem das Selbstbewertgefühl und den Stolz auf die ei-gene Heimat.
Regelmäßige Hygienekontrollen
Die Direktvermarkter unterlieben dem Fleischhygienegesetz und müssen die gleichen Anforderungen wie die normalen Fleischereien erfüllen. Ein amtlicher Tierarzt begutachtet die zum Schlachten vorgesehenen Tiere, später folgt die amtliche Fleischuntersuchung. Zuständig für die Kontrollen sind die Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsämter der Landkreise. Dr. Michael Winzig überprüft die Landfleischereien seit mehreren Jahren im Landkreis Dahme-Spreewald. „Die Direktvermarkter halten sich in der Regel an die Vorschriften“, sagt der Tierarzt. Bei Verstößen gegen die Hygiene würde ihnen auch ein Entzug der Betriebserlaubnis drohen. Freiwil-lige Qualitätskontrollen gehören zudem bei vielen Erzeugern zum Standard. Die Mitglieder von pro agro lassen sich beispielsweise vom Verband zusätzlich kontrollieren, der dafür wiederum Quali-tätszeichen vergibt.
Regionalprodukte sind Imagefaktor für Tourismus
Brandenburgs Agrar- und Umweltstaatssekretär Dietmar Schulze weist darauf hin, dass Regionalprodukte auch ein Imagefaktor für den Tourismus sind. „Sie vermitteln Tradition und machen die Re-gion gegenüber dem Gast unverwechselbar.“ Für eine erfolgreiche Verbindung von regionalen Produkten und Tourismus in Branden-burg würden beispielsweise Äpfel aus dem Havelland, das Gemüse aus dem Oderbruch oder die Spreewälder Gurken stehen. Die Verbindung touristischer und kulinarischer Produkte des Landes werde seit Jahren erfolgreich durch gemeinsame Präsentationen der Tou-rismus Marketing Brandenburg und dem Verband pro agro umgesetzt. Reisebörsen und Tourismusmessen stünden dabei unter dem Motto „Brandenburg erleben und genießen“.










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